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Der Sprung des Felix Baumgartner

Also, gaaaaanz toll. Gratulation, usw…… die Welt steht Kopf.

Ehrlich gesagt, ging die 5jährige Vorbereitung zu diesem Event spurlosest an mir vorüber, da ich in dieser Zeit im wahrsten Sinne des Wortes ums Überleben gekämpft habe und sowieso nicht verstanden hätte, warum ein komplett gesunder Mensch dieses kostbarste Gut freiwillig auf`s Spiel setzt.

Nun aber hat mich die Welt wieder und ich habe genauso begeistert wie der Rest der Welt zugesehen…..

…..bis mir ein entsetzlicher Gedanke durch den Kopf ging: “Was ist, wenn der gute Mann die doch eher kleine Landefläche, diese Wüste, in Roswell verfehlt und bei mir im Garten landet?”

Also ehrlich! Hand hoch! Wer von Ihnen hatte ähnliche Gedanken? Was haben Sie gerade zu diesem Zeitpunkt gemacht? Ja,….. denken Sie nur weiter……

Ich war zum Zeitpunkt des Aufstiegs der Kapsel im Spital – ätsch. Ganz hochoffiziel, da wieder mal meine Ohren total verlegt waren. Ich hatte Kopfweh und hörte Alles nur wie durch einen Wattebausch. (Was hätte übrigens Herr Baumgartner gemacht, wenn er da oben verlegte Ohren gehabt hätte? Ich fühlte mich auf einmal total privilegiert.)

Also war mir dieser Rekorversuch mal eher “wurscht”. Bis zu dem Zeitpunkt, als eben die Phantasie mit mir durchging….Ich meine, stellen Sie sich wirklich lebhaft vor Sie hören ein SCHSCHSCHSCHSCHTTTTTT – FLAP!!! Und dann nichts mehr, bis Sie in den Garten schauen und dort einen überdimensionalen Fallschirm auf Ihrer Hortensie liegen sehen und eine weiße Gestalt, vollgepflastert mit Werbung am Raumanzug steht da.

Das geht auch noch, bis Flutlicht die letzte Ecke Ihres Gartens enthüllt und offenlegt, daß Sie wieder mal kein Laub gerecht haben, der Gelbe Sack steht auch noch prallvoll da, die Katze reihert wieder mal gerade und der Hund verbeißt sich ins linke Bein von Herrn Baumgartner. Sie stehen da in der bequemsten Jogginghose, (ohne prominente Werbung darauf), das T-Shirt nicht mehr ganz sauber – ist ja Sonntag am Abend – , Ihr Mann kommt just in diesem Augenblick etwas beschwipst vom Anglerausflug zurück und eine Reporterhorde stürmt Ihr Domizil. Der neuseeländische Journalist hält Ihnen das Mikrophon vor die Nase und schreit (da in dem Moment der Hubschrauber von Red Bull über Ihrem Garten zu kreisen begonnen hat, um den Teufelskerl Felix abzuholen und zurück nach Roswell zu bringen) Sie an: “Wie haben Sie die Landung von Herrn Baumgartner erlebt????!” Sie hören gerade noch, wie Ihre Nachbarn ebenfalls Interviews geben und einer von ihnen hämisch grinst “er wüßte doch, daß Sie nie Laub zusammenkehren und überhaupt sind Sie eher nachlässig, was die Gartenpflege angeht. Ihre Dachrinne ist auch immer verstopft.” bevor Sie vor den Augen von 2 Milliarden Zusehern weltweit live in Ohnmacht fallen. Was jedoch nicht wirklich etwas ausmacht. Zumindest 3 der mittlerweile 79 anwesenden Reporter aus aller Welt werden dieses Ereignis und den anschließenden Tumult auf “You Tube” stellen. So können Sie auch noch nach Jahren gemütlich mit Ihren Enkelkindern dieses Video anschauen, wo Sie wie ein Sack in die Kräuterspirale wuppen, während Felix Baumgartner nach seinem 39.000 m-Sprung ( ca.128.000 ft, wie ich gelernt habe) aussieht, als wäre er gerade aus der Dusche gekommen.

WAS BITTE MACHEN SIE DA WIRKLICH?. Wer garantiert mir, daß dieser Base Jumper sein Ziel nicht verfehlt. Ich meine, es ist doch ein Unterschied ob er von irgendeinem Hochhaus springt oder vom Rand der Welt.

Mir wird fürchterlich heiß bei diesem Gedanken  und ich bekomme seltsame Beklemmungen, als endlich der diensthabende HNO- Arzt im Spital meinen Namen aufruft. Die Behandlung dauert keine fünf Minuten und ich bin wieder auf dem Weg nach Hause. Das haben an diesem Abend Felix Baumgartner und ich gemeinsam. Ich jedoch nicht von so weit weg.

Mein Garten lieg im Finstern, kein Reporter weit und breit. Ich stürze rein, schalte den Fernseher an – das nennt man Timing, Herr Baumgartner steht irgendwo da oben an der Luke seiner Kapsel und verkündet den (ehrlicherweise genialen) Satz, daß er jetzt nach Hause kommt.

Und ich beginne die Daumen zu halten, nicht daß er es schafft – davon gehe ich aus, sondern ich halte die Daumen, daß er nicht in meinem Garten landet. Mir ist am Nachhauseweg  eingefallen, ich sollte noch vor Wintereinbruch den Rasen mähen und vielleicht noch einen Generalputz im Haus vornehmen….

Herr Baumgartner fliegt und fällt und dreht sich und fliegt uuuuuuund betätigt den Hebel für den Fallschirm. Meine Aufregung steigt. Hmmmmm, erkenne ich die Umgebung im Fernsehen? Eine Last fällt mir von der Schulter – es ist die Wüste.

Danke Herr Felix, Danke Red Bull – WIR SIND WELTRAUM.